Beust-Senat verweigert Fallzahlen und Infos über Kinderarmut

FamilieEs gibt Dinge, über die spricht der Senat gerne, z.B. die neue Elbphilharmonie oder den neuen Jungfernstieg. Andere Themen hat der Senat lieber nicht in der öffentlichen Wahrnehmung und bietet daher auch keinerlei Informationen zu ihnen. Sowohl der Armutsbericht, als auch der Sozialreport wurden vom CDU-Senat eingestellt. Da Sozialsenatorin Schnieber-Jastram nicht bereit scheint, von sich aus die Öffentlichkeit mit entsprechenden Informationen zu versorgen, hatten wir von der SPD-Fraktion eine Große Anfrage an den Senat gerichtet, in der Hoffnung zumindest auf diesem Wege Aufklärung über die Aktuelle Situation der Kinderarmut in unserer Stadt zu erhalten.
Ergebnis: die massive Verschlechterung der Lebenschancen von Kindern aus armen Familien ist zu beklagen. In Hamburg ist die Kinderarmut doppelt so hoch wie im Durchschnitt der westlichen
Bundesländer. Die Wirtschaft in unserer Stadt entwickelt sich dynamisch, die Reichen werden reicher, und gleichzeitig wachsen immer mehr Kinder in Hamburg in Armut auf - inzwischen fast jedes Vierte. Der Senat kennt weiterhin wichtige Fakten nicht, die für eine wirkungsvolle Armutsbekämpfung notwendig sind. Denn: wer helfen will, muss erstmal wissen, wer wo welche Hilfe braucht. Ein paar Zahlen gibt es aber. Unsere große Anfrage hat zum Beispiel ergeben, dass etwa im Bezirk Harburg die Anzahl der Kinder, die in Haushalten mit SGB-2-Unterstützung leben, seit März 2005 um 4,5 Prozent gestiegen ist. Im Bezirk Mitte ist die Situation noch schlimmer. Dort ist die Zahl der Personen unter 18 Jahren im selben Zeitraum um 2061 angewachsen, also um knapp sechs Prozent. Es gibt inzwischen Quartiere, in denen vier von zehn Kindern in Armut leben.
Aber statt die Chancen für Kinder zu verbessern und den Teufelskreis der oft von Generation zu Generation weiter vererbten Armut zu durchbrechen, macht der Senat das Gegenteil: Die Hürden für Kinder aus ärmeren Schichten werden immer höher gelegt. Vor zwei Jahren
verkündete die Sozialbehörde, regelmäßig Daten über Armut im einzelnen
Stadtteil erheben und veröffentlichen zu wollen. Passiert ist nichts. Der Senat
verweigert den Blick in die Quartiere. Deshalb fehlen ihm auch die Daten, die für
eine effektive Armutsbekämpfung notwendig sind.
Unsere Fragen im Detail und die Original-Senatsantwort können Sie hier einsehen.

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