Kompletter Realitätsverlust in der Sozialbehörde

kinder4„Unabhängig von ihrer sozialen Herkunft haben in Hamburg alle Kinder die gleichen Chancen auf frühkindliche Bildung“, sagte Hamburgs Sozial- und Familiensenatorin Schnieber-Jastram gestern. Niemand, der sich in Sachen Kinderbildung auskennt, würde wohl der Senatorin diesen Satz unterschreiben.
Die Bildungschancen nicht nur in Hamburg sind nach wie vor entscheidend vom Geldbeutel der Eltern abhängig, was nicht nur die Experten berichten, sondern auch diverse Studien belegen. Die Sozialsenatorin hatte auch behauptet, dass in sozial benachteiligten Stadtteilen mehr Kinder gefördert würden, als vor Einführung des Kita-Gutschein-Systems. Richtig ist: Die Versorgung mit Krippen- und Kita-Plätzen ist ausgerechnet in den Stadtteilen mit besonderen Problemlagen unterdurchschnittlich. In sozial schwachen Stadtteilen dagegen sind von 2002 bis 2005 für Kinder real 10% der Krippenbetreuung verloren gegangen, während der Versorgungsgrad in den übrigen Stadtteilen um 23% gestiegen ist. Im Hortbereich sind real 5% verloren gegangen, während der Versorgungsgrad in den übrigen Stadtteilen um 16% angestiegen ist. Im Elementarbereich ist sogar ein Drittel an Ganztagsbetreuung verloren gegangen.
Möglicherweise verwechselt man im Senat eigene Ankündigungen mit der Wirklichkeit? Bürgermeister von Beust hatte Ende Mai erklärt, die Qualität in den Kitas verbessern zu wollen und den Blick zukünftig auch auf Kinder zu richten, deren Eltern arbeitslos sind oder in wechselhaften Beschäftigungsverhältnissen stehen. Man fragt sich, warum der Bürgermeister solche - leider folgenlosen - Ankündigungen macht, wo doch die zuständige Senatorin erklärt, dass alle schon die gleichen Chancen haben.

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