Großes Missverständnis – Wahlstift nicht gehackt
Die Pressekonferenz des Chaos-Computer-Clubs vor drei Wochen war angeblich “ein großes Mißverständnis”. Man habe gar nicht vor gehabt, zu beweisen, dass der digitale Wahlstift knackbar sei. Unter anderem wegen dieser Behauptungen hatten wir vom Verfassungsauschuss heute erneut zur Expertenanhörung zum digitalen Wahlstift geladen. Realsatire, hätte man denken können, wenn es nicht so ernst wäre. Der Sitzungsraum war gerappelt voll. Aber von Expertenanhörung konnte eigentlich kaum die Rede sein – die Hälfte der Experten hatte selbst mehr Fragen, als sie helfen konnten. Einig waren sie sich in ihrer Bauchlage, dass die Anforderungen an das Vertrauen in unser Wahlrecht hoch sein. Zwar scheiterte der CCC mit seinem angekündigten Angriff auf den digitalen Wahlstift, trug aber vor, dass das System ja trotzdem nicht manipulationssicher sei. Schließlich könnten Extremisten die Hersteller-Firma kaufen. Oder Wahlvorstände bestechen! Das fanden die übrigen Experten zum Teil zwar auch etwas schräg, aber weil bei der Einführung eines Systems ja immer der Teufel im Detail stecken kann, möchte sich offenbar auch niemand vorwagen und dafür sprechen. Da hackt die eine Krähe der anderen eben auch kein Auge aus. Die ganze Anhörung gipfelte darin, dass einer der Proffesores empfahl, wir sollten doch auch noch mal “Experten” konsultieren. Aha…. Nun suchen wir seit drei Jahren nach einer Möglichkeit der technischen Unterstützung der nächsten Wahl. Was bisher niemand schlimm fand. Nun ist das Vertrauen fraglich. Ganz ehrlich? Von mir aus können wir den Kram auch per Hand auszählen. Immerhin haben 256.385 Hamburgerinnen und Hamburger für das neue Wahlrecht gestimmt. Da lassen sich doch bestimmt noch etliche Wahlhelfer finden.
Kommentare
3 Kommentare to “Großes Missverständnis – Wahlstift nicht gehackt”
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Hallo Frau Veit,
so, der Wahlstift ist nun erst mal vom Tisch. Ob das gut ist oder schlecht wird sich meiner Meinung nach noch zeigen.
Mir tun nur die Leute leid, die die Stimmzettel für die Wahlkreislisten (max. 5 Kreuze für eine gültige Wahl) auszählen müssen.
Stellen Sie sich folgendes Szenario (ein Beispiel von vielen) vor:
Der Wahlhelfer hakt auf Seite eins des Wahlstimmenheftchens – angeblich hat dieses Heftchen mehr als 30! Seiten – 2 gültige Kreuze ab.
Danach findet er das nächste gültige Kreuz auf Seite 13. Nachdem er sich weiter tapfer bis auf Seite 24 durchgekämpft hat, findet er die nächsten 2 gültigen Stimmen.
Super, geschafft denkt er sich, aber beim weiteren Blättern findet er – oh was für ein Mist – auf Seite 31 noch ein weiteres, also ein sechstes Kreuz!
D.h., der Stimmzettel ist UNGÜLTIG!!! Die ganze Arbeit war umsonst. Mal abwarten, wann der gute Wahlhelfer beim 5. Kreuz nicht mehr weiterzählt und “Fünfe gerade sein lässt”.
Schlecht für die Kandidaten auf den hinteren Seiten (Plätzen) – hoffentlich nicht gerade welche von der GAL ;-( – und noch schlechter für die Demokratie.
Also: Freiwillige vor und auf zum fröhlichen Stimmen auszählen – oder besser ausquälen?
Vielleicht sollte das Landeswahlamt schon mal ein paar spezielle weiße Jäckchen besorgen; bin gespannt, wie viele Stimmenauszähler die Brocken hinschmeißen?
Kann man nur hoffen, dass bei einigen vielleicht noch ein Umdenkungsprozess eintritt und der Wahlstift zumindest als Zählhilfe eingesetzt wird.
Gruß
Leo
Jemand, bei dem ich mein Kreuzchen gemacht habe, bezeichnet meinen Stimmzettel einfach als Kram … ? Gut, da will ich lieber Nichts reininterpretieren :-)
Ich war nicht Teil der 256.385 und habe mich auch schon darüber amüsiert, dass diese Leute doch eigentlich jetzt auch die Suppe auslöffeln könnten und beim Auszählen mithelfen sollten.
Wird wohl leider nicht passieren (“Es könnt’ alles so einfach sein, isses aaber nich!” — Für mich der Song zur Wahl 2008).
Hallo Jan, nicht jedes Wort auf die Goldwaage, bitte :-) stimmt, der Song passt super!!