Ich habe mich schon immer gern eingemischt. Abends in der Kneipe meckern ist nicht mein Ding. Ich versuche lieber, Sachen zu ändern. Oft klappt das nicht, aber wer es nicht wenigstens versucht, hat schon vorher verloren.
Wer ich bin, was mich bewegt, was es neben Politik sonst noch gibt: Das lesen Sie hier.
02.06.73
in Hamburg-Billstedt geboren
31.05.92
Abitur am Gymnasium Billstedt,
Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin,
Jurastudium an der Uni Hamburg
Erstes Staatsexamen
20.05.01
Sohn Paul Sebastian
01.03.03
Referendariat am Hanseatischen OLG
Personalratsmitglied 04/03 bis 05/05
01.07.05
Tochter Marie Helene
Elternzeit
seit 1991
Mitglied der SPD
zurzeit
Distriktsvorsitzende Rothenburgsort,
Kreisvorstand Hamburg-Mitte,
Landesvorstand SPD-Hamburg
Kreisvorsitzende Hamburg-Mitte der
Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen
seit 2004
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
Familienpolitische Sprecherin der SPD
Ausschüsse:
Kinder, Familie und Jugend
Stadtentwicklung
Verfassung
Sonderausschuss „Verwaltungsreform“
Sonderausschuss „Vernachlässigte Kinder“
(abgeschl. am 20.01.06)
neu: PUA “Informationsweitergabe”
(”Protokollaffäre”)
Mitglied:
Arbeiterwohlfahrt (Awo)
Gewerkschaft ver.di
Familie
Paul Sebastian (Jahrgang 2001) und Marie Helene (2005) haben mich verändert und meinem Denken und Handeln zum Teil eine ganz andere Richtung gegeben. Ich muss sie leider viel zu oft allein lassen. Wenn ich dann abends aus dem Rathaus oder von Veranstaltungen komme, liegen sie längst in ihren Bettchen und träumen hoffentlich ab und zu von Mama. Aber meistens haben wir ja wenigstens Teile der Wochenenden für uns, und natürlich die Urlaubszeiten. Wer keine Familie und keine Kinder hat, versäumt einen ganz wesentlichen Teil seines Lebens – davon bin ich heute überzeugt.
Reisen
Reisen weitet den Horizont – ein überaus wahrer Satz, zumal in der globalisierten Gesellschaft. Ich reise gern mit dem Auto, weil man überall anhalten und aussteigen kann. Außerdem müssen bei zwei Kindern immer anderthalb Kubikmeter Gedöns mit auf die Reise. Frankreich liebe ich, und es ist so groß und vielfältig, dass ich noch viele Jahre hinreisen und immer wieder Neues sehen kann. Für den schnellen, unkomplizierten Badeurlaub empfehle ich außerdem Korfus relativ unbekannten Südosten, und im Frühjahr freue ich mich auf Schnee und Berge. Aber eigentlich bin ich gar nicht festgelegt – Reisen sind immer schön!
Kochen
Wäre ich nicht Juristin und Politikerin, hätte ich wohl versucht, mein Leben irgendwie mit „Kochen“ oder „Backen“ zu gestalten. Ich empfinde dabei große Ruhe und Erfüllung – klingt schwülstig, ist aber so. Planen, einkaufen, und dann loslegen - das schöne ist, dass man selbst in der Hand hat, was draus wird. Und keiner reinquatscht… Wenn ich vor Stress nicht mehr aus den Augen gucken kann (oder mich tierisch geärgert habe), gehe ich in meine Küche, backe oder koche etwas kompliziertes. Anschließend bin ich mental wieder fit – fast wie nach einem Kurzurlaub. Das Kochen selber darf gern mal stressig werden - wenn es für viele Leute sein soll. Oder die Pralinen-Produktion vor Weihnachten… Auch einer Freundin haben wir schon mal ein großes Buffet zum Geburtstag geschenkt
– viel Arbeit, aber auch viel Spaß!
Spielen
Nö, nicht Dostojewski: Mein langjähriges Lieblingsspiel heißt Doppelkopf. Aber auch „Siedler“ oder „Carcassonne“ spiele ich immer noch gern, wenn sich die Gelegenheit bietet, und immer gern einmal etwas Neues. Computerspiele allerdings sind irgendwie an mir vorbeigegangen – bisher habe ich da überhaupt keine Interessen. Mein Sohn lernt jetzt erste Brettspiele, und im letzten Urlaub hat er von Papa „Mau-Mau“ gelernt – das macht auch viel Spaß, zumal er wohl das einzige Kind seines Alters ist, das ohne Protest und Terror verlieren kann (jedenfalls kenne ich kein anderes). Von mir hat er das nicht…
Warum sind Sie Politikerin geworden?
Weil ich mich schon immer gern eingemischt habe. Abends in der Kneipe meckern ist nicht mein Ding. Ich versuche lieber, Sachen zu ändern. Oft klappt das nicht, aber wer es nicht wenigstens versucht, hat schon vorher verloren. Gehe übrigens trotzdem gern in die Kneipe!
Was ist die wichtigste Fähigkeit, um Politik zu machen?
Zuhören können. Fragen und neugierig bleiben. Wenn ich die Menschen nicht verstehe und ihre Probleme nicht richtig erfasse, mache ich schlechte Politik. Es gibt Parlamentskollegen, die wohnen in Othmarschen oder Lemsal und halten lange Reden über die Befindlichkeit der Menschen in Billstedt oder Rothenburgsort. Da krieg’ ich so einen Hals!
Und was braucht man sonst?
Unendlich Geduld und Zeit. Wenn Demokratie funktioniert, ist sie die beste aller Staatsformen. Aber es dauert halt, bis alle, die es angeht, sich eingebracht haben. Und oft kommt am Ende etwas anderes heraus, als man am Anfang gewollt hat.
Warum haben Politiker so einen schlechten Ruf?
(Lacht:) Haben wir den?
Na ja, das hört man doch allerorten…
Ich glaube, da gehen verschiedene Dinge durcheinander. Ich selbst werde zum Beispiel ziemlich oft zu Veranstaltungen, Einweihungen, Diskussionen usw. eingeladen. Wenn es zeitlich machbar ist, versuche ich, hinzugehen, wegen der Neugierde, siehe oben. Da werde ich dann aber meistens mit Respekt behandelt, und ich glaube, viele freuen sich, wenn ich komme. Der schlechte Ruf, die sogenannte Politikverdrossenheit – drei Viertel davon sind, glaube ich, eine freie Erfindung der Presse.
Na schön. Und das letzte Viertel?
Man kriegt so viele Informationen, dass man ganz unbewusst irgendwann glaubt, alles besser zu wissen als die ‚normalen’ Menschen, mit denen man redet. Manche Kollegen benehmen sich, als hätten sie eine Würstchenbude – sie müssen überall ihren Senf dazugeben. Und dann gibt es Politiker, schon auf Ortsvereins- und Ortsausschussebene, die versuchen, finanzielle Vorteile für sich herauszuholen. Das ist natürlich tödlich.
Aber finanzielle Vorteile haben Sie doch alle?
Schauen Sie in meinen Terminkalender und rechnen Sie sich meinen offiziellen „Stundenlohn“ aus. Wenn Sie dann noch sehen, wie viele Termine es in der Abteilung „nichtöffentlich“ gibt und berücksichtigen, dass ich mich meistens ja auch noch vorbereiten muss, werden Sie mich wahrscheinlich eher bedauern als beneiden.
Na gut, so lange sind Sie ja auch noch nicht dabei….
Von wegen – in Wahrheit mein ganzes Erwachsenenleben. Ich bin mit 18 in die SPD eingetreten, habe da bei den Jusos und im Distrikt mitgearbeitet und mitgestaltet, in allen Wahlkämpfen brav Plakate geklebt, jede Menge Veranstaltungen moderiert und viele Sachen mehr. Dann noch die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. In der Bürgerschaft bin ich seit März 2004 – da gibt’s nun zum ersten Mal eine Aufwandsentschädigung.
Sie sind jetzt in der Opposition, haben eine absolute Mehrheit gegen sich. Da können Sie ja viel reden, aber wenig bewegen. Wie sind die Perspektiven?
Wenn mehr Menschen wüssten, was in Hamburg wirklich los ist, wären sie großartig. Dann würden wir die nächste Wahl mit Pauken und Trompeten gewinnen, endlich familienfreundliche Politik machen, und Hamburg wieder 40 glückliche Jahre bescheren wie vor 2001. Im Ernst: Die jetzige Regierung macht Politik, die nur einer Minderheit zugute kommt, und die macht sie auch noch schlecht.
Haben Sie Vorbilder?
Natürlich. Aber ich verrate nicht, welche.
Sie engagieren sich auch dafür, dass Frauen in der Politik mehr Einfluss bekommen. Hat es Sie gefreut, dass wir jetzt eine Bundeskanzlerin haben?
Mit der Begründung ‚Frau’ könnte man dann ja zum Beispiel auch Condy Rice unterstützen können, die ist zusätzlich auch noch schwarz. Nein, ich war nie dafür, Frauen in Ämter zu loben, nur weil sie Frau sind. Ich vertrete nur die Ansicht, dass bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt werden sollten, weil es noch immer in allen Bereichen so großen Nachholbedarf gibt. Privat gefällt mir übrigens ein Spruch sehr, der leider nicht von mir stammt: ‚Frauen, die so gut sein wollen wie Männer, haben keinen Ehrgeiz!’